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Wo alles begann

Ich bin Falk Karrasch, Berliner Autor und Barkeeper. Geboren wurde ich am 25. März 1989 in Weißenfels in Sachsen-Anhalt. Dort bin ich aufgewachsen und habe meine Schulzeit verbracht. Nach meinem Realschulabschluss absolvierte ich zwei Berufsausbildungen zum Einzelhandelskaufmann und zum Restaurantfachmann. Schon früh habe ich gelernt, mit den unterschiedlichsten Menschen umzugehen. Der direkte Kontakt zu Menschen hat mich geprägt und mir gezeigt, dass hinter jedem Menschen eine eigene Geschichte steckt.

Leipzig – mein erster großer Schritt

Mit 18 Jahren verließ ich meine Heimat und zog nach Leipzig. Die Stadt wurde für zehn Jahre mein Zuhause und war eine wichtige Station in meinem Leben. Hier begann für mich ein neuer Lebensabschnitt. Ich lernte, auf eigenen Beinen zu stehen, machte neue Erfahrungen und entdeckte zunehmend die Nacht und Clubkultur für mich.

In Leipzig kam ich erstmals intensiver mit elektronischer Musik, Clubs und einer Szene in Berührung, in der Freiheit, Musik, Freundschaft, Sexualität, Rausch und Selbstausdruck miteinander verbunden sind. Die Nacht faszinierte mich schon damals. Mich interessierte nicht nur die Musik, sondern vor allem das, was zwischen den Menschen passiert, wenn der Alltag für einige Stunden in den Hintergrund rückt.

Der Verlust meiner Mutter

Dann kam der Moment, der mein Leben für immer verändern sollte. Meine Mutter erkrankte an unheilbarem Krebs. Die Zeit ihrer Krankheit war eine der schwierigsten Phasen meines Lebens. Ich wollte stark sein, wollte funktionieren und gleichzeitig nicht wahrhaben, dass ich einen Menschen verlieren würde, der für mich eine der wichtigsten Personen in meinem Leben war.

Am 6. August 2013 starb meine Mutter.

Ihr Tod hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Von einem Tag auf den anderen war nichts mehr so, wie es vorher gewesen war.

Nach ihrem Tod war auch Leipzig für mich nicht mehr derselbe Ort. Zu viele Erinnerungen waren mit dieser Stadt verbunden. Straßen, Orte und alltägliche Situationen erinnerten mich an meine Mutter, an ihre Krankheit und an die gemeinsame Zeit.

Ich konnte mit meiner Trauer dort irgendwann nicht mehr richtig umgehen.

Ich wollte weg.

Nicht, weil ich Leipzig hasste. Im Gegenteil Leipzig war zehn Jahre lang ein wichtiger Teil meines Lebens gewesen. Aber die Trauer war überall. Ich brauchte Abstand. Ich wollte raus aus meinem bisherigen Leben, raus aus den Erinnerungen und irgendwo neu anfangen.

Im Grunde wollte ich meiner Trauer davonlaufen.

Berlin – meine Flucht und mein Neuanfang

Dieser Wunsch führte mich nach Berlin.

Als ich nach Berlin kam, wusste ich nicht, was diese Stadt einmal für mich bedeuten würde. Ich wusste nur, dass ich einen Neuanfang brauchte. Berlin war zunächst eine Art Flucht vor meiner Trauer. Ich wollte funktionieren, weitermachen und versuchen, mein Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Doch mit der Zeit wurde Berlin mehr als nur der Ort, an den ich gegangen war, weil ich es in Leipzig nicht mehr ausgehalten hatte.

Berlin wurde mein Zuhause.

Hier begann ein neuer Abschnitt meines Lebens. Ich lernte neue Menschen kennen, machte neue Erfahrungen und begann langsam, mich wieder zu öffnen. Nach dem Tod meiner Mutter fiel es mir lange schwer, Menschen wirklich an mich heranzulassen und Vertrauen aufzubauen. Ich musste erst wieder lernen, Nähe zuzulassen und mich auf andere Menschen einzulassen.

Berlin gab mir den Raum, mich selbst neu kennenzulernen.

Und irgendwann merkte ich, dass ich nicht mehr nur vor meiner Vergangenheit davonlief.

Ich begann, nach vorne zu schauen.

Mein Leben in der Berliner Nacht

Seit vielen Jahren bin ich Teil der Berliner Gastronomie und Nachtkultur. Ich arbeite als Barkeeper und habe dadurch eine Perspektive auf das Berliner Nachtleben bekommen, die man als gewöhnlicher Clubgast nur selten erlebt.

Ich kenne die Nacht nicht nur von der Tanzfläche. Ich kenne sie vom Tresen, von der Tür, aus den Backstage-Bereichen und aus den frühen Morgenstunden, wenn die Musik langsam leiser wird und die Geschichten der Nacht beginnen.

Ich habe erlebt, wie Menschen in Clubs Freundschaften schließen, sich verlieben, sich verlieren, ihre Sexualität entdecken, Grenzen austesten oder für einige Stunden einfach frei sein wollen.

Aber ich habe auch die andere Seite dieser Welt kennengelernt: Grenzüberschreitungen, Diskriminierung, Körperdruck, Drogenkonsum, Einsamkeit, Ausgrenzung und den zunehmenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Druck auf die Berliner Clubkultur.

Je länger ich in dieser Welt gearbeitet habe, desto stärker wurde mir bewusst, dass hinter einer Nacht viel mehr steckt als Musik, Tanz und Rausch.

Hinter jeder Nacht stehen Menschen.

Vom Erleben zum Schreiben

Irgendwann begann ich mich zu fragen, was mit all den Geschichten passiert, wenn die Nacht vorbei ist.

Ein Gespräch am Tresen ist vorbei. Eine Begegnung endet. Die Musik verstummt und jeder geht nach Hause. Manche Geschichten werden vergessen, andere bleiben.

Ich wollte bestimmte Dinge nicht einfach verschwinden lassen.

Ich wollte beobachten, festhalten und verstehen.

So begann ich, mich immer intensiver mit dem Schreiben zu beschäftigen.

Meine Texte entstehen aus persönlichen Erfahrungen, Begegnungen, Beobachtungen und Fragen, die mich nicht loslassen. Ich schreibe nicht aus der Distanz. Ich bin selbst Teil der Welt, über die ich schreibe.

Genau diese Perspektive macht meine Arbeit aus.

Die Themen, über die ich schreibe

Meine Themen sind vielfältig, haben für mich aber einen gemeinsamen Kern: den Menschen.

Ich schreibe über Berliner Nacht- und Clubkultur, Techno, die queere Community, Bodyshaming, Schönheitsideale, Selbstwert, Selbstakzeptanz, Drogenkonsum und Prävention, Liebe, Beziehungen, Verlust, Trauer, gesellschaftlichen Wandel, Tourismus, Verdrängung und persönliche Freiheit.

Auf den ersten Blick mögen diese Themen unterschiedlich erscheinen. Für mich gehören sie jedoch zusammen.

Denn hinter jedem dieser Themen steht ein Mensch.

Hinter Bodyshaming steht ein Mensch, der vielleicht gelernt hat, seinen eigenen Körper abzulehnen. Hinter einer Clubnacht steht ein Mensch, der nach Freiheit sucht. Hinter Drogenkonsum steckt manchmal eine Geschichte, die niemand kennt. Hinter Trauer steht ein Mensch, der versucht, mit einem Verlust weiterzuleben.

Mein Buch über Bodyshaming

Mit meinem Buch „Bodyshaming in der LGBTQ+ Community – Zwischen Schönheitsidealen, Diskriminierung und Selbstakzeptanz“ habe ich mich mit einem Thema auseinandergesetzt, das mich schon lange beschäftigt.

Gerade in queeren Communities wird viel über Freiheit, Akzeptanz und Individualität gesprochen. Gleichzeitig existieren dort teilweise sehr starke Vorstellungen davon, wie ein Körper aussehen sollte. Social Media und Dating-Apps können diesen Druck zusätzlich verstärken.

Ich wollte genauer hinschauen.

Was macht ständige Bewertung mit unserem Selbstwert? Warum vergleichen wir uns ständig? Warum können Körper innerhalb einer Community gleichzeitig gefeiert und abgewertet werden? Und wie können wir lernen, unseren eigenen Körper wieder anzunehmen?

Für mich geht es dabei nicht nur um Bodyshaming. Es geht auch um Selbstakzeptanz, Körperneutralität und die Frage, wie wir lernen können, unseren eigenen Wert nicht von der Meinung anderer abhängig zu machen.

 

„Lost in Berlin“

Mit „Lost in Berlin – Das Berliner Nachtleben zwischen Ekstase, Kommerz & Verdrängung" richte ich meinen Blick auf die Stadt, die seit vielen Jahren mein Zuhause ist.

Berlin ist weltweit für Techno, Clubs und seine besondere Form von Freiheit bekannt. Gleichzeitig verändert sich die Stadt. Tourismus, steigende Kosten, wirtschaftlicher Druck, Verdrängung und gesellschaftlicher Wandel stellen die Berliner Nachtkultur vor neue Herausforderungen.

Ich erlebe diese Veränderungen nicht aus der Distanz.

Ich arbeite selbst in dieser Szene. Ich kenne die Nächte, die Clubs, die Menschen und die Gespräche.

Deshalb möchte ich nicht einfach eine weitere romantisierte Geschichte über das legendäre Berliner Nachtleben erzählen. Ich möchte genauer hinschauen.

Was passiert mit einer Kultur, wenn sie weltweit vermarktet wird? Was passiert mit den Menschen, die diese Kultur jeden Tag am Leben halten? Was bedeutet Freiheit, wenn die Räume, in denen sie gelebt wird, immer stärker unter Druck geraten?

Und vor allem:

Wem gehört die Nacht?

Meine persönliche Geschichte

Mein Schreiben ist aber nicht ausschließlich gesellschaftliche Beobachtung. Ein großer Teil meiner Perspektive kommt aus meiner eigenen Geschichte.

Der Tod meiner Mutter hat mich geprägt und verändert. Die Jahre danach haben mich gelehrt, mit Verlust zu leben, mich selbst neu zu finden und irgendwann wieder Vertrauen und Nähe zuzulassen.

Ich weiß, dass Trauer nicht einfach verschwindet.

Man lernt vielmehr, mit ihr zu leben.

Man kann nach außen funktionieren, während es im Inneren völlig anders aussieht. Man kann einen Menschen verlieren und trotzdem jeden Tag weiterleben müssen.

Diese Erfahrungen haben auch meinen Blick auf andere Menschen verändert.

„Mein Leben nach dir“

Aus dieser persönlichen Ebene heraus ist mein autobiografisch geprägtes Projekt „Mein Leben nach dir“ entstanden.

Darin beschäftige ich mich mit Verlust, Trauer, Erinnerung und der Frage, wie man nach einem schweren Abschied weiterlebt.

Ich möchte dabei keine perfekte Geschichte erzählen.

Ich möchte ehrlich sein.

Trauer ist nicht immer leise und nicht immer schön. Sie kann wütend machen, einsam machen und einen Menschen verändern. Gleichzeitig kann sie dazu führen, dass man sich selbst neu kennenlernt und irgendwann einen eigenen Weg findet, mit dem Verlust zu leben.

Für mich ist Schreiben dabei eine Form der Auseinandersetzung.

Ich schreibe nicht, weil ich auf alles eine Antwort habe.

Ich schreibe, weil ich Fragen habe.

Was mir wichtig ist

In meinem Leben und in meiner Arbeit spielen Ehrlichkeit, Empathie und Loyalität eine wichtige Rolle.

Ich glaube daran, dass jeder Mensch seine eigene Geschichte hat und dass wir meistens nur einen kleinen Ausschnitt davon sehen. Deshalb versuche ich, Menschen nicht vorschnell zu beurteilen.

Meine Bücher sollen unterschiedliche Perspektiven zeigen, zum Nachdenken anregen und vielleicht auch Gespräche auslösen, die sonst nicht stattfinden würden.

Ich möchte meinen Leserinnen und Lesern nicht einfach fertige Antworten geben.

Ich möchte Fragen hinterlassen.

Warum ich schreibe

Heute verbinde ich meine Erfahrungen aus der Berliner Nacht- und Clubkultur mit meiner Arbeit als Autor.

Ich schreibe über Berlin, über die Nacht, über Techno, über queere Lebenswelten, über Körper und Selbstwert, über Freiheit, Verlust und gesellschaftlichen Wandel.

Vor allem aber schreibe ich über Menschen.

Dabei möchte ich authentisch bleiben. Ich möchte keine künstliche Autorenfigur erschaffen.

Ich bin Falk.
Ich bin Barkeeper.
Ich bin Autor.
Ich bin Teil dieser Stadt und ihrer Geschichten.

Ich schreibe über das, was ich sehe. Über das, was ich erlebe. Über das, was mich bewegt. Und vor allem über das, worüber andere manchmal lieber schweigen.

Das ist meine Geschichte. Und sie ist noch lange nicht zu Ende.

 

© 2026 Falk Karrasch